Die nächste Lana Del Rey

An einem Abend im Dezember lud N. sehr viele Freunde zu einem vorweihnachtlichen Gathering ein. Ihre Wohnung am Kreuzberger Planufer war voller als der Dancefloor des Watergate zu Sonnenaufgang, die Stimmung etwas weniger euphorisch aber ungleich herzlicher und kommunikativer. Zwischen Lasagne und Tarte au Lemon fragte H., wer denn wohl die nächste Lana Del Rey werden würde. Das nächste It-Girl, auf das sich alle einigen können: Blogger mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne, Feuilleton, nicht besonders risikofreudige öffentlich-rechtliche Radiosender, Fashion-People und Fans dicker Lippen. Ohne lange nachzudenken tippte ich auf Azealia Banks.

Seit vorgestern weiß ich, dass ich richtig lag. Denn zuvor hatte Azealia zwar mit 212 bewiesen, dass sie Wahnsins-Skills und -Lippen hat. Ihr kurzer Auftritt in Lanas „Blue Jeans“ war allerdings eher medioker. Freitagnachmittag aber wurde das hier auf Soundcloud freigeschaltet. Boom!

JUMANJI Prod. By HUDSON MOHAWKE & NICK HOOK by Azealia Banks

Das Internet schlauer machen

Samstag kam eine magere Mail rein, in der nicht viel mehr stand als „Hallo, wir sind VIMES und haben gerade unseren neuen Track zum Download freigegeben.“

Keine weiteren Infos zu Band oder Musik, nur der Link zu Soundcloud. Professionelle Promo geht aber anders, dachte ich noch kurz und klickte trotzdem den Link an. Und siehe da: „UpStairs„, der schlecht promotete Track, gefiel mir so gut, dass ich ihn nach dem ersten Durchlauf gleich noch mal hören musste. Danach den einzigen anderen VIMES-Track auf Soundcloud gecheckt, auch cool. Also die Band gegoogelt, nicht viel gefunden und mir gedacht, das muss ich ändern. Ab jetzt weiß das Internet etwas mehr über den Act, denn ich habe Julian Stetter, der einen Hälfte von VIMES ein paar Fragen gestellt:

?: Im Netz ist noch nicht viel über Euch zu finden. Jetzt erzählt bitte schnell mal: Wer seid Ihr?

Julian Stetter: VIMES sind Azhar Syed und Julian Stetter. Zwei Studenten in ihren Mittzwanzigern, wohnhaft in Köln.

?: Wer spielt was?

!: Die meiste Arbeit passiert am Computer. Darauf folgen ein paar Wochen Studioaufenthalt, teilweise mit Gastmusikern. Fertig.

?: Seit wann gibt es Vimes?

!: In unseren Köpfen existiert VIMES schon sehr lange, in der Öffentlichkeit bewegen wir uns seit rund einem halben Jahr.

?: In welchen Bands/Projekten habt Ihr vorher gespielt?

!: Wir haben beide in diversen Bands ohne große öffentliche Aufmerksamkeit gespielt.

?: Wie entstehen Eure Songs?

!: Unsere songwriterische Arbeit passiert immer zu zweit und ist sehr demokratisch.

?: Welche Bands waren die Helden Eurer Jugend?

!: Smashing Pumpkins waren einmal Helden.

?: Was läuft zur Zeit häufig auf Euren MP3-Playern?

!: Gerade läuft bei mir Musik von Aufgang.

?: Habt Ihr echt erst zwei Songs geschrieben?

!: Wir arbeiten an mehr Material. Die zwei Songs im Internet sind ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.

?: Warum singt Euer Sänger wie Damon Albarn?

!: Schöne Referenz – Du bist der erste, der das hört.

?: „UpStairs“ erinnert mich an The Notwist/Console, The Postal Service, Mouse On Mars, New Order, Gorillaz, … Einverstanden?

!: Einverstanden.

?: Wann und wo kann man Euch live sehen? Gebt Ihr bitte Bescheid, wenn Ihr in Berlin spielt?

!: Tour-Termine werden folgen. Wir werden es mit Sicherheit publik machen, wenn die Dates fix sind. Bis dahin bauen wir aber noch an weiterem Song-Material.

?: Warum habt Ihr keine eigene Website, nur diese Präsenzen auf Facebook und Myspace?

!: Besucht zu Zeiten von Facebook und Myspace überhaupt noch jemand Band-Seiten? Ich zumindest nicht.

?: Wie spreche ich Euren Namen richtig aus?

!: „weims“

UpStairs by VIMES

Drei Freunde müsst ihr sein

Der Mann mit der Zauberstimme, der die Grenzen der Romantik scheinbar unendlich erweitern konnte, ohne je  kitschig zu werden, hat sich ein neues Konzept ausgedacht. Als Singer/Songwriter hatte José González so ziemlich alles richtig gemacht, doch die Stilmittel sind in diesem Genre als One-Man-Show nun einmal begrenzt. Also traf er sich mit seinen alten Compañeros Elias Araya & Tobias Winterkorn und gründete Junip.

Ein Album soll im September erscheinen, die „Rope And Summit“-EP läuft jetzt schon im Player hier unten, kann auf der Website der Band nach Registrierung runtergeladen werden (die Single „Rope And Summit“ gibts auch direkt hier ganz ohne irgendwelche Hürden).

Reality Check gewünscht? Bitteschön: City Slang hat am 30. Juni den Festsaal Kreuzberg angemietet, um Junip und Norman Palm, den anderen neuen kleinen Star des Labels, zu präsentieren.

Das erste Mal. Oder auch: Keep The Faith

Paloma Faith V

Die neue Amy Winehouse heißt Paloma Faith. Zumindest würde das Sony Music ganz gut ins Konzept passen. Doch während Super-Amy für Universal schon ein paar Grammies, etliche platinblonde Schallplatten und dergleichen einfahren konnte, muss man Frau Faiths Vita noch mit außermusikalischen Erfolgen aufhübschen – und hat auch schon einiges zusammengetragen:

– Sie wirkt in dem neuen Terry-Gilliam-Film „The Imagination of Dr. Parnassus“ mit, der am 3. Dezember 2009 in deutsche Kinos kommt.

– Als Assistentin eines Magiers ließ sie sich auf der Bühne in zwei Teile zersägen.

– Sie begann mit dem Singen in Kabaretts und Burlesque-Clubs.

– In der britischen Filmkomödie „St. Trinians“ war sie neben Rupert Everett und Russel Brand in der Rolle der Andrea, the Emo zu sehen.

– Einst hatte sie einen Job als Gespenst in einer Geisterbahn auf einem Rummelplatz.

– Über Festivals sagte sie einst: „Überall, wo man keine hochhackigen Schuhe tragen kann, ist es nicht wert, hinzugehen.“

– Sie arbeitete einst als Verkäuferin in einem Shop des britischen Dessous-Herstellers Agent Provocateur.

– Sie liebt David Lynch und Tim Burton.

Ihr Debütalbum trägt den Titel „Do You Want The Truth Or Something Beautiful?“ und erscheint in Deutschland am 25. September. Die Antwort auf den Albumtitel wurde der Running Gag des Abends: „Beides, höhö.“ Mit dieser Frage eröffnen anscheinend gerade auch alle Journalisten ihre Interviews, sagt Paloma.

Zur Musik: Bevor La Paloma auf die Bühne kam, hatte sich schnell noch Newton Faulkner vorgedrängelt. Der ist gerade auf Promo-Tour in Deutschland (Album erscheint auch Ende September) und kam für drei Songs von Bremen nach Berlin rüber. Ein Hybrid aus Joey Kelly und Bob Marley mit einer unglaublich tollen Stimme und zwischendurch verstimmter Gitarre. Beeindruckende Präsenz.

Und dann kam sie: Zum ersten Mal trat Paloma Faith vor deutschem Publikum auf. An diesem Mittwoch, dem 12. 8. 2009, im kleinen Frannz Club in der Kulturbrauerei. Sie verfügt nicht über das Stimmvolumen einer Amy Winehouse, wirkt in ihrem pompösen Prinzessinnen-Outfit noch ein wenig schüchtern, hat aber eine okaye Band im Rücken, die sie sicher durch den Abend begleitet. Die Songs zielen voll auf das von Amy, Adele, Duffy usw. auf 60’s Soul-Pop konditionierte Publikum ab, aber haben Hit-Potenzial. Auf der am 4. September erscheinenden Single „Stone Cold Sober“ krächzt sie auch schon ganz selbstbewusst. Wenn man ihr noch ein wenig Zeit gibt, könnte das Konzept durchaus aufgehen.

Paloma Faith III

Paloma Faith IV

Paloma Faith VI

Biggest Signing Since Bloc Party

Wenn in einer Pressemitteilung Bloc Party erwähnt werden, schaue ich immer etwas genauer hin. Wenn sich zudem Mark Bowen, der General Manager von Wichita, zu einer Aussage hinreißen lässt, wie „our biggest signing since BLOC PARTY.“ Dann höre ich mir auf der Myspace-Seite der New Yorkerin Lissy Trullie – um die geht es hier nämlich – schon mal ein paar Songs an. Lissy kennt man eigentlich als Model. Jetzt hat die New Yorkerin eine EP aufgenommen. Ein paar holperige Garagen-Rock-Versuche, die schon etliche besser hingekriegt haben – Hole, Babes In Toyland oder L7 zum Beispiel. Einen Song fand ich aber super: „Self-Taught Learner“. Konnte leider kein vernünftiges Video dazu finden, deswegen läuft hier oben dieses alberne Filmchen. Übrigens auch nett, das Hot-Chip-Cover „Ready For The Floor“ auf ihrer Myspace-Seite.