My Most Played Song Vol. 6

Drei Farben House

Heute mit: Michael Siegle aka Drei Farben House, Musiker & Produzent aus Berlin.

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner?

!: Da ich meine Tracks ausschließlich mit dem Computer produziere, muss ich gestehen, dass meine meist gehörten Titel allesamt Vorab-Versionen meiner eigenen Produktionen sind. Als Qualitätskontrolle sozusagen und um im Laufe der Tage und Wochen, die solche Produktionen in Anspruch nehmen, kleine Verbesserungen und Veränderungen einzubauen. Das ist aber wahrscheinlich nicht das, worauf Deine Frage abzielt. Daher: Mein am häufigsten gespielter Song eines fremden Musikers ist „Impossible“ von den Shout Out Louds.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

!: iTunes sagt: 19 Mal

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

!: Ich liebe alles an diesem Song: Die herrlichen Akkordfolgen, die feine Instrumentierung, die wunderbar eingängie Melodie, die dennoch so schön vielfältige Richtungen und Wendungen einschlägt, und vor allen Dingen natürlich dieser absolut atemberaubend schöne Wechsel zwischen Adam Olenius‘ dramatischer Lead-Stimme und Bebban Stenborgs zuckersüßer Begleitung im Refrain.

?: Die Shout Out Louds… Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ist das ein Ausrutscher oder hörst Du – als stadtbekannter Freund von House-Musik – zu Hause ausschließlich Indie Rock?

!: Naja, ich höre eben Popmusik – sowohl Gitarren-Pop als auch elektronisch produzierten Pop. Hauptsache schöne Melodien und schöner Gesang. House höre ich natürlich auch, aber hauptsächlich als Vorbereitung für und Beschäftigung mit dem Dancefloor. Das ist eine völlig von der Pop-Sache getrennte Sphäre. Bei House gehts mir ja um Musik, die Teil dieses langen, nie endenden Tracks auf dem Dancefloor sein soll. Pop, das ist für zu Hause und für die Seele.

My Most Played Song Vol. 5

brio coyote

Heute mit: Brio Taliaferro, Writer/Producer/Programmer aus Berlin/London.

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner?

!: Alev Lenz – „Write About It“

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

!: Die letzte Woche über zwei- bis dreimal täglich. Ich höre zu Hause extrem wenig Musik. Und wenn, dann meistens etwas, woran ich arbeite, um es kurz zu checken.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

!: Dies ist einer der Songs für das neue, von Philippe Kayser und mir co-produzierte Alev-Lenz-Album, das für 2010 geplant ist. Es ist ein ziemlich aufwendiger orchestraler Glam-Rock-Song, auf den wir demnächst noch Bläser aufnehmen wollen. Daher höre ich ihn gerade recht häufig. Zur Kontrolle der bereits aufgenommenen Spuren und zur Inspiration für weitere Ideen.

?: Orchestraler Glam-Rock… Trittst Du jetzt in die Fußstapfen von Tony Visconti?

!: Ich klaue von allen, da diskriminiere ich nicht! In unseren anderen Liedern müssen auch noch andere 70’s-Größen herhalten… Schon mal zur Warnung.

?: Wenn Du Dich entscheiden musst: Bowie oder Bolan?

!: Eher Bowie. Wobei dann eher die „Heroes“/“Rebel Rebel“-Ära, aber kann ich bitte die Frill-Shirts und Drum-Beats von Bolan mitnehmen?

?: Woraus beziehst Du sonst Deine Inspiration? Wahrscheinlich ja nicht nur aus Deiner eigenen Arbeit…

!: Aus der Funk und Fernsehwerbung. In dem besagten Lied ist auch ein gehöriger Schuss Monty Python mit drin, vor allem wenn die Kinderchöre einsetzen. Jawohl, Kinderchöre.

My Most Played Song Vol. 4

Heute mit: Alexandra Dröner (links im Bild), DJ, Journalistin, Bookerin und eine Hälfte der Sick Girls aus Berlin.

Sick Girls

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner?

!: Der meistgespielte iTunes-Track ist „Na Na Na Na“ von Jacques Lu Cont with Ce’Cile and General Degree.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

!: 25 Mal, was eine ganze Menge ist für mich. Im Durchschnitt höre ich mir die meisten Stücke – zuhause – nur zwei- bis dreimal an.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

!: Absolutes Lieblingslied und die perfekte Verbindung von Dancehall und elektronischer Club-Musik. Auch das meistgespielte Stück bei meinen DJ-Gigs übrigens, hab ich seit 2005 regelmäßig immer wieder im Koffer.

?: Ah, Vinyl. Meine Eltern haben mir davon erzählt. Schleppst Du echt noch einen Plattenkoffer zum Auflegen mit? Ein Laptop ist doch viel leichter und es passen auch viel mehr Tracks rein.

!: Ich benutze zu 80 Prozent CDs und ansonsten Vinyl. Der Koffer ist also schon mal kleiner geworden und nicht mehr ganz so schwer. Ich liebe es, mit den Pioneer CDJ-1000ern aufzulegen, easy und zuverlässig. Das Traktor-Scratch-Paket steht allerdings gerade genau vor mir, aber ich muss mich noch mit so ekligen Dingen wie Kalibrierung, Latenzen und wasweissich beschäftigen und meinen Laptop entsprechend hochrüsten, bevor es damit losgehen kann. Generell schließe ich keine Technologie aus – und wenn’s sein muss, lass ich mir auch einen Chip hinters Ohr pflanzen…

?: Wie packst Du Deinen Plattenkoffer? Gibt es eine bestimmte Ordnung? Hast Du vorher schon grob ein komplettes Set im Kopf? Oder vertraust Du auf Deine Intuition und nimmst einfach mit, was Dir in die Finger kommt?

!: Das Sichten und Zusammenstellen meiner Playlists nimmt eine ganze Menge Zeit in Anspruch, ich brenne eigentlich zu jedem Gig mindestens eine CD mit komplett neuen Tracks. Alle anderen Playlists setzen sich aus aktuellen Lieblingsstücken zusammen oder sind entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Gigs (Intro-Zeug, Disco fürs Cookies, Dubstep für die Maria oder ähnliches) kompiliert. Ich versuche immer eine wirkliche Ordnung reinzubringen, scheitere aber meistens daran, dass ich zu ungeduldig bin und zu viele Sachen toll finde. Da wir ja im Team auftreten und unsere Sets nie vorbereiten, geht es immer um Intuition, keines unserer Sets ist gleich, wir wissen nie vorher, was genau die andere spielt, das macht den Spaß aus!

Und da kannst Du Dir Alexandras Lieblingstrack anhören.

My Most Played Song Vol. 3

Heute mit: Dan Delgado, Musiker aus Stuttgart.

DanDelgado

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner?

Dan: „Belief“ von John Mayer.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

Dan: Mein iTunes sagt 81 Mal.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

Dan: Hm… Das erinnert mich an „Lola rennt“ – als Lola Manni fragt: „Warum liebst Du mich?“… Er ist natürlich ein wenig trivial und tantig-altbacken, so könnte er durchaus im Soundtrack zu „Lethal Weapon 2“ oder auf einem Dire-Straits-Album zu finden sein, obwohl er aus dem Jahre 2006 stammt. Aber ich bin ja ein ausgewiesener Popper. Und wahrscheinlich ist es genau das: Er versetzt mich in eine gewisse Stimmung, und wenn im dritten Takt die Gitarre reinfährt, erfasst er mich sofort und entspannt mich gleichzeitig. Egal, wann ich ihn höre. Ob nach einem langen Studiotag, nach dem Aufstehen oder vor einem Ausritt in die Stadt. Mayers vielschichtige, multi-getrackte Gitarrenarbeit ist einfach fantastisch. Man merkt, dass er den Song selbst produziert und eingespielt hat. Hier gehen Songwriting, Performing und Producing Hand in Hand. Letztlich will ich das aber nicht bis ins kleinste Detail sezieren. „Belief“ gefällt mir einfach tierisch und ich kann den Song immer hören!

?: Hat Dich der Song schon mal in einer besonderen Situation begleitet?

Dan: Nein, dieser nicht. Wahrscheinlich höre ich ihn deswegen so oft, weil er eben nicht emotional besetzt ist und immer schmeckt. Wie ein Nutella-Toast.

?: Du bist ein großer Romantiker, richtig?

Dan: Durchaus. Ich bin der Superlativ eines Romantikers.

?: Andererseits: Wenn man sich mit Dir über Musik unterhält, gehst Du oft sehr analytisch vor.

Dan: Das sehe ich anders. Es strengt mich ungemein an, zu eruieren, warum ich etwas mag oder nicht. Das ist ja auch eigentlich unmöglich und verdirbt den Genuss. Wie bei der Liebe, siehe „Lola rennt“. Aber ich bin eben Musiker und kann diese analytische Ebene einnehmen, wenn ich dazu angehalten werde. Ich weiß, wie welcher Sound und welche Stimmung erzeugt werden können. Das ist meine Profession. Ich versuche der Musik aber stets mit einem emotionalen Ansatz zu begegnen – als Konsument wie Produzent. Das entspricht ja auch mehr meinem Wesen…

?: Und so entstehen auch Deine eigenen Songs?

Dan: Genau, es gibt eine Emotion, und die wälzt sich im Laufe einer Produktion sukzessive musikalisch wie textlich um. Da lasse ich mich total treiben. Macht ja auch am meisten Spaß. Bei den Dan-Delgado-Sachen habe ich zusätzlich den Sound-Rahmen limitiert, zugelassen sind nur meine Gitarre „Petra“, die Stimme und ein Shaker. So bleibt dieses Treiben zwar instrumental begrenzt, aber die Fantasie kann sich dafür umso freier entfalten. Auch bei Auftragsarbeiten, die ein bestimmtes Klangbild reflektieren sollen, versuche ich erstmal einen emotionalen Zugang zu finden und eine bestimmte Perspektive einzunehmen, bevor ich loslege. Das erleichtert die Arbeit ungemein, Stanislawski-esk sozusagen. (lacht)

Albumversion hier, Video da:

My Most Played Song Vol. 2

Heute mit: Alvaro Paranoia, Bundeskanzler IT-Spezialist und Label-Inhaber aus Stuttgart.

Alvaro

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner/Last.fm-Profil?

Alvaro: Das ist leicht: „The Failsafe“ von Misery Signals. Seit ungefähr zwei Jahren.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

Alvaro: 147 Mal.

?: Hat er sich langsam an die Spitze geschlichen oder war es ein Instant-Hit?

Alvaro: Ich fand ihn von Anfang an geil und hab ihn immer wieder gehört. Nur nicht zu oft, sonst verdirbst du ihn dir, nicht wahr.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

Alvaro: Er stellt die perfekte Symbiose zwischen Geschrei beziehungsweise Geknüppel und schwelgerischem Pop dar. Wütende Emos freuen sich immer, wenn Religion angeprangert wird.

?: Was hast Du denn gegen Religion einzuwenden?

Alvaro: Religionen sind – neben Primatengehabe – die Ursache allen Übels.

?: Emos sind doch nie älter als 17. Du bist aber schon Mitte 30. Wann wirst Du endlich erwachsen?

Alvaro: Du redest von Nu Emo und nicht von der Old School. Frag meine Therapeutin: Einmal Emo, immer Emo. The Smiths haben mein Leben versaut.

My Most Played Song Vol. 1

Heute mit: Tim Reuscher, Grafiker und Blogger aus Hamburg.

Tim

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner/Last.fm-Profil?

Tim: „Loose Fit“ von den Happy Mondays.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

Tim: Last.fm sagt 41 Mal. Das stimmt aber nicht – ich habe den ja auch auf Vinyl und schon lange vor Last.fm mit iTunes gehört.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gespielt? Und hat er Dich schon mal in einer außergewöhnlichen Situation begleitet?

Tim: Ich war – ehrlich gesagt – eher überrascht. Ich höre das oft ganz klassisch vor dem Ausgehen. Aus der Dusche kommend, während ich so tue, als ob es einen Unterschied machen würde, welches schwarze T-Shirt ich zu welcher Jeans anziehe. Ich glaube, ich habe den Song noch nie in einer sonderlich außergewöhnlichen Situation gehört. Zumindest nicht, wenn ich mir gegenüber so großzügig bin, Sex nicht zu den außergewöhnlichen Situationen zu zählen. „Loose Fit“ ist natürlich ein Hammer-Song, der mir wirklich viel bedeutet. Nicht, weil ich ein bestimmtes Ereignis damit verbinde. Eher, weil er so unglaublich cool ist – und man schon allein durchs Zuhören drei Mal cooler wird, als man ursprünglich war. Meine Nummer zwei ist übrigens „Animal Instinct“ von Six Feet Under…