Eine Heftkritik

Die Redaktion des UM{LAUT} magazins fragt mich nach meiner Meinung. Bitteschön, können sie haben:

Bevor mich die Redaktion per Mail kontaktierte, hatte ich von der Zeitschrift noch nie gehört. Das könnte daran liegen, dass das vierteljährlich erscheinende Mag offensichtlich mehr so ein Liebhaberprojekt ist und pekuniäre Interessen kaum im Mittelpunkt stehen. Anzeigen findet man nur auf zwei Seiten – und auch nicht unbedingt von den Kunden mit den dicken Werbe-Etats (ein Second-Hand-Shop, eine Galerie). Der auf dem Cover abgedruckte Barcode ist keiner:

Auf einen professionellen Vertrieb scheinen die Kölner also nicht zu setzen. Nein, vielmehr deutet alles darauf hin, dass die viel beschworene Lust am Blattmachen die Triebfeder des Projekts ist. Da muss dann natürlich auch die Aufmachung stimmen: Der Titel in Hochglanzoptik, Klebebindung und die gut 40 Seiten gestrichenes Papier vermitteln den Eindruck, dass es hier jemand ernst meint, weil billig ist das nicht.

Doch womit beschäftigt sich denn dieses Mag? Ein kurzer Blick ins Inhaltsverzeichnis reicht aus, um die Frage zu beantworten: mit Kunst, aufgeteilt in die drei Bereiche „Lyrik“, „Prosa“ und „Fotografie, Malerei, Zeitgenössische Kunst“. Sehr textlastig also und damit eine smarte Alternative zu den zahlreichen buchdicken Zeitschriften, deren Kunstverständnis sich in mehr oder wenig gut fotografierten Modestrecken erschöpft. Hier überzeugt der Mix aus Wort und Bild.

Meistens. In solchen Hochglanz-Fanzines finden sich aber immer einige bedeutungsschwangere Gedichtchen. Ein ehernes Gesetz, das nicht gebrochen werden darf. Während des Prozesses des Erwachsenwerdens müssen immer irgendwelche halbwegs eloquenten Mittzwanziger in ihrer Quarterlife Crisis sich selbst so wichtig nehmen, dass sie denken, ihre kleinen Identitäts- und Beziehungsprobleme seien in einen größeren Zusammenhang zu setzen und interessierten deshalb weitere Leserkreise. Das stimmt zwar nicht, gehört aber zum Literatentum wie die Pickel zur Pubertät. Auch das Umlaut-Magazin tappt in diese Falle. Ein (allerdings kleiner) Teil der Texte widmet sich diesem eitlen Gejammere und Geplaudere mit viel Ornament und wenig Substanz, obschon die Autoren (Alexander Weinstock, Johann Reisser, Roman Schaupp, Daniela Chana u. a.) in der Mehrzahl preisgekrönt sind oder im akademischen Betrieb ihr Können unter Beweis gestellt haben.

Am tollsten fand ich das Projekt „Botanoadopt“ von 431ART. Haike Rausch und Torsten Grosch vermitteln Pflanzen zur Adoption und dokumentieren das in schlichten Fotos. Da drücke ich doch mal auf den nicht vorhandenen „Gefällt mir“-Button. Street Art mit Schablone und Mischtechnik (von fancyroom) kennt man, sieht hier aber trotzdem schön aus.

Die Fotostrecken sind nice. Wichtiges Element: Kurze Interviews mit den Fotografen oder Künstlern liefern genau so viel Erhellendes zu den Projekten, dass der Betrachter sich nicht ins Leere bzw. Ungewisse laufenden Mutmaßungen hingeben muss.

Insgesamt also ein charmantes Mag, dessen Macher sich sicher sehr über Käufer freuen, damit irgendwann mal wieder eine schwarze Null auf dem Kontosauszug steht. Fünf Euro kostet diese Ausgabe, die achte übrigens. Zu bestellen ist sie da.

Pareidolia 2 est arrivé

Pareidolia ist ein wunderbar weirdes Magazin mit Kurzgeschichten, Comics, Cut Ups und sonstigem Alarm. Die Printausgabe ist so rar, dass der VDZ schon überlegt hat, das kleine Heftchen auf die Rote Liste gefährdeter Arten zu setzen. Doch die noch junge Zeitschrift schlägt sich wacker: Gerade eben ist die zweite Ausgabe fertig geworden. Die Hefte liegen allerdings nur in ausgewählten Hamburger Hipster-Hangouts aus. Glücklicherweise denkt der freundliche und umsichtige Herausgeber auch an alle Interessierten außerhalb Hamburgs: Als PDF kann man sich Pareidolia 2 hier runterladen.