Seit heute bin ich Fan von Mount Kimbie

Mount Kimbie „Before I Move Off“ ((OFFICIAL VIDEO)) from Mount Kimbie on Vimeo.

Ganz ehrlich: Bis gestern hatte ich mich noch nicht intensiv genug mit Mount Kimbie beschäftigt, um mehr als zwei Sätze über sie sagen zu können. Etwas wie: „Mount Kimbie kommen aus London und machen schöne Musik, die an Dubstep erinnert, sich aber nicht auf dieses eine Genre beschränkt und deswegen auch nicht als solcher bezeichnet werden darf. Auf dem Cover ihres 2010 erschienenen Albums ist die Rückseite einer nicht richtig schlanken Frau in roten Klamotten zu sehen.“

Wie das halt so ist, wenn man jeden Monat kurz in 50 bis 100 Alben reinhört, ein paar davon bespricht und den Rest schnell vergisst. Da bleibt wenig Zeit, Fan einer Band oder eines Acts zu werden, eines oder gar mehrere Alben eines Künstlers wieder und wieder zu hören. Dass es ab und zu trotzdem jemand schafft, so viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, dass man in einer ruhigen Stunde wieder darauf zurückgreift, ist fast schon ein Wunder. Und zeigt, wie wichtig Musik ist.

Mount Kimbie haben es mit ihrem gestrigen Gig im Icon geschafft, dass ich in Zukunft öfter ein paar Tracks von ihnen anhören werde. Weil sie – tief über ihre Rechner gebeugt – ziemlich mächtige Bollerbässe in das Icon-Gewölbe rausgehauen haben. Eine 2011er-Version von Shoegazing, die aber überhaupt nicht mehr zerbrechlich klingt. Die Beats kamen mal gerade und technoid aus den Boxen, mal dubsteppig, oft aber in dem Bereich dazwischen, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Dazu angenehm unprätentiöses Auftreten, etwas Live-Drumming und variantenreiche Loops und viele Sound-Spielereien. Hat mich überzeugt und jetzt schaue ich mir gleich noch einmal das Video zu „Before I Move Off“ an (mit geschätzten 1000 Bildern pro Minute).

Da geht sogar die jazzige Komponente okay

Flying Lotus – GNG BNG from Ryan Paterson on Vimeo.

Freitag hole ich mein BMX-Bike, das ich nicht besitze, aus dem Keller, wische den Staub vom Sattel und rolle rüber in die Maria. Dort lasse ich mir derbe verstolperte Beats und ziemlich viel Gequäktes, Verspultes und Wobbliges um die Ohren hauen und freue mich auch noch darüber. Flying Lotus, der Weirdo unter den HipHoppern tritt in Berlin auf. Es gibt noch Tickets.

Anders als die anderen

Berlin Festival 2010 Teaser from Berlin Festival on Vimeo.

Auf einem Festival war ich ja schon lange nicht mehr. Bei der Fusion rennen zu viele Hippies rum, das Melt ist immer genau dann, wenn ich schon andere Termine habe, für das Wacken sind meine Haare nicht lang genug, Dixie-Klos umgehe ich generell gerne weiträumig, durch knietiefen Matsch zu pflügen, bereitet mir auch keine Freude, ich bin ja schließlich kein Traktor – sondern eine sensible Großstadtpflanze. Und genau darum werde ich am 10. und 11. September in Tempelhof vorbeischauen. Dann wird das Berlin Festival auf dem ehemaligen Flughafen landen, und dieses Festival ist in vieler Hinsicht nahezu perfekt:

– Feinster Asphalt überall und deswegen garantiert matschfrei.

– Die Schnittmenge (wird heute eigentlich noch Mengenlehre unterrichtet? War Ende der 70er/Anfang der 80er unverzichtbarer Bestandteil des Mathematikunterrichts) zwischen meinem Musikgeschmack und dem der Booker ist groß (beinahe A=B). Es kommen: Caribou, Hot Chip, Fever Ray, We Have Band, Neon Indian, LCD Soundsystem, Wedding Present, Amiina, … Fatboy S(ch)lim(m) muss man sich ja nicht anschauen.

– Doch auch das beste Konzert ist irgendwann vorbei. Und dann fahre ich einfach nach Hause und schlafe in meinem Bett und muss nicht auf allen Vieren in ein verschimmeltes Zelt kriechen, das jeden Moment einzustürzen droht oder noch gar nicht aufgebaut ist.

– Wenn das Wetter nicht mitspielt, geht man halt in den Hangar. Okay, der Sound war letztes Mal nicht immer ideal, aber das kriegen die diesmal hoffentlich besser in den Griff.

Nebenbei kann man sich den echt mal eindrucksvollen, mehr als einen Kilometer langen Gebäudekomplex anschauen.

Tickets und Infos da.

Castro fidel

Laura Lopez Castro@A-Trane 2010 1

Laura Lopez Castro@A-Trane 2010 2

„Seitdem ich nicht mehr nur singe, ist es ziemlich stressig auf der Bühne“, sagte die bestens gelaunte Laura Lopez Castro gestern Abend im A-Trane und kramte ein billiges Keyboard hervor, das sie dann liebevoll wie ein Neugeborenes im Arm hielt und sanft drückte, auf dass es lustig quietschte. Auf ihrem letzten Freitag erschienenen Werk „Optativo“ verlassen Don Philippe und die Berliner Spanierin ihre Comfort Zone und fügen dem nachdenklichen Bossa-Akustik-Pop der ersten beiden Alben eine interessante Komponente hinzu: Zusammen mit Hauschka und seinem mit Kronkorken, Kette oder Plastikfolie präparierten Piano fand die Band zu bisher nicht gekanntem Klangreichtum. Well done. Bis Samstag, 21. August, jeden Abend in dem schummrigen Jazz-Club in der Bleibtreustraße zu erleben. Karten besser vorab reservieren.

Laura Lopez Castro@A-Trane 2010 3

Drei Freunde müsst ihr sein

Der Mann mit der Zauberstimme, der die Grenzen der Romantik scheinbar unendlich erweitern konnte, ohne je  kitschig zu werden, hat sich ein neues Konzept ausgedacht. Als Singer/Songwriter hatte José González so ziemlich alles richtig gemacht, doch die Stilmittel sind in diesem Genre als One-Man-Show nun einmal begrenzt. Also traf er sich mit seinen alten Compañeros Elias Araya & Tobias Winterkorn und gründete Junip.

Ein Album soll im September erscheinen, die „Rope And Summit“-EP läuft jetzt schon im Player hier unten, kann auf der Website der Band nach Registrierung runtergeladen werden (die Single „Rope And Summit“ gibts auch direkt hier ganz ohne irgendwelche Hürden).

Reality Check gewünscht? Bitteschön: City Slang hat am 30. Juni den Festsaal Kreuzberg angemietet, um Junip und Norman Palm, den anderen neuen kleinen Star des Labels, zu präsentieren.

Feiertag

Donnerstag feiern die Christen ein Fest – und da die Trennung von Staat und Kirche so prima funktioniert, haben an diesem Tag alle frei. Soll mir recht sein. Denn der Abend vor Christi Himmerfahrt ist – wie schon 2009 – für das Spex-Live-Festival im Berghain reserviert. Die tolle Robyn macht diesmal den Headliner. Die High Places stehen auf dem Plakat direkt darunter, sind anders als die Top-100-verwöhnte Schwedin aber doch noch sehr geheimtippig unterwegs. Insgesamt ein ziemlich abwechslungsreiches Line-up: Metropolen-Pop von Norman Palm (als Ersatz für Villagers). Trevor Jackson (Playgroup), Annie, Efdemin, Mute-Records-Gründer Daniel Miller, die Berghain-Residents Marcel Dettmann & nd_baumecker u. v. a. legen auf. Ick freu mir auf:

Konichiwa Bitches from Robyn on Vimeo.

Caribou – Swim

Hat Dan Snaith die komplette Musikjournaille bestochen? Die Kritiker sind sich einig wie schon lange nicht mehr. Wenn es darum geht, Caribous neues Album „Swim“ zu beschreiben, hat die Meinungsvielfalt ein Ende:

„It’s a triumph… the best new record this year“ **** Mojo
„A Stroke of genius.. Sure to send anyone into a miraculous state of euphoria“ 4.5/5 The Fly
„As mesmerising as it is innovative“ **** Q
„Astounding“ 10/10, Loud & Quiet
„A genuine pioneer“ ARTROCKER

Da hört man dann doch mal genauer hin. Was zuerst auffällt: Echte Hits fehlen. Dafür verstecken sich in den polyrhythmischen Konstrukten etliche poppige Momente. Um vertrackte psychedelische Beat-Monster schlingen sich pulsierende Flächen, verführerisch süßer Gesang, schiefes Geflöte und gerne noch weiteres Geklöppel und Geklingel. Das ist natürlich interessant für alle, die sich mit zu Offensichtlichem schnell langweilen, also alle Kritiker, die schon von Berufs wegen immer auf der Suche nach Neuem, Aufregendem sind. Musik, die Sehnsüchte weckt. Ein Album für alle, die sich nicht mit dem Nahe liegenden zufrieden geben, sondern lieber noch mal nachschauen, was hinter der nächsten Ecke, nach dem kurzen Glück einer langen Nacht oder auf einer anderen Bewusstseinsebene noch alles passieren könnte. Um es auf eine griffige Formel zu bringen: „Swim“ klingt wie die Kings of Convenience (nicht The Whitest Boy Alive!) unter LSD-Einfluss auf Ibiza. Wer sucht, findet Überschneidungen mit Hot Chip (bevor sie so klebrig poppig geworden sind), Delphic, Antony Hegarty oder Joanna Newsom. Ein Album für den verspulten Sommernachts-Rave oder das Magic-Mushroom-Candlelight-Dinner. Ein hedonistisches Verweilen im und genussvolles Auskosten des Augenblicks, Club-Musik für das kleine Kammerorchester mit allerlei Instrumenten aus dem Kinderzimmer. Tatsächlich eines der interessantesten Alben des Jahres. Gleich mal reinhören, ne:

Swim by Caribouband

Und diese Konzerte besser nicht verpassen:

27.04. München, Feierwerk
28.04. Berlin, Berghain
29.04. Hamburg, Prinzenbar