LCD Soundsystem – This Is Happening

James Murphy, der Auskenner, dessen lyrisches Alter Ego schon alles und jeden gesehen, gehört und erlebt hat, weiß, wie man einen sauberen Promo-Peak erzeugt: Mit einem lustig anarchischen Video zu einem größtenteils geklauten Song zum Beispiel, dazu kurze Videobotschaften aus dem Studio und natürlich flankiert von allerlei Aktivitäten auf Facebook, weil da ja eh dauernd alle rumhängen. Aber kann er auch noch relevante Musik schreiben? Wer ankündigt, das nächste Album, also dieses, sei sein letztes, der läuft Gefahr, schnell für den alternden Ex-Hipster gehalten zu werden, über den er einst sang.

„Dance Yrself Clean“ startet mit einem reduzierten Lykke-Li-„Dance Dance Dance“-Beat und sanft reinrutschendem Bass ins Album. Auf Melancholie folgt die reinigende Katharsis: Nach knapp der Hälfte des Tracks brechen die Dämme: Pegelanstieg, Synthie-Offensive und ein ruckeliger Punk-Funk-Beat, der LCD Soundsystem so treu durch das letzte Jahrzehnt begleitete. Murphy wäre hier gerne David Byrne. Das gibt seine Stimme aber leider nicht her. Den Mark E. Smith kann er besser. Zeigt er nach dem euphorischen Ausreißer a.k.a. Trinklied „Drunk Girls“ dann auch desöfteren. Dabei verweilt er allerdings viel zu sehr in dem schon mit seinem ersten Album aufgezogenen Referenzsystem (ESG, Suicide, The Fall und die 80’s). Der Durchschnitts-Rock von „All I Want“ vermengt The Strokes (schraddelig) mit Van Halen (Synthie-Fanfaren), „I Can Change“ ist ein bisschen Kraftwerk, ein bisschen Depeche Mode und ein bisschen langweilig, „Pow Pow“ erinnert an !!!.

Alles okaye Songs, aber die hat er alle schon mal mindestens genau so gut geschrieben. Hieße James Murphy Mick Jagger oder Bono, würde er wahrscheinlich noch 20 bis 40 Jahre so weitermachen. Vielleicht sind es aber gerade solche Typen, die die schlaueren Vertreter unserer Generation davon abhalten, sich einfach nur immer und immer wieder zu wiederholen. See you im Kino, Bücherregal oder sonst irgendwo, James. Du hörst genau zum richtigen Zeitpunkt auf.

Murphy’s Mansion

Während hier beinahe das Quecksilber im Thermometer gefriert, hat sich James Murphy eine bescheidene kleine Villa im sonnigen LA angemietet, um – wie vor einiger Zeit angekündigt – an einem neuen LCD-Soundsystem-Album zu arbeiten. Das Video zeigt erste Impressionen aus dem Studio. Sehr laid back alles, auf dem Flügel stehen zufällig ein paar Champagnerflaschen rum, hinter dem Haus wartet ein Pool auf die gestressten Musiker. Wie das Album heißt, oder was wir musikalisch zu erwarten haben, verrät er allerdings nicht.

via

Murphy’s Law

JamesMurphyLCDSoundsystem

Da will ich gerade den Rechner runterfahren, und genau dann kommt natürlich noch eine Nachricht rein. Allerdings eine, die man gerne liest: LCD Soundsystem haben die Absicht, am 16. April 2010 ein neues Album zu veröffentlichen. Das sagt James Murphy – und der sollte es ja schließlich wissen. Zum Abschluss der Plattenladenwoche läuft jetzt auf der Myspace-Seite des New Yorkers in voller Länge die neue Download-und-Vinyl-only-Single „Bye Bye Bayou“ (ein Alan-Vega-Cover), die allerdings nicht auf dem Album enthalten sein wird.