The Prepared Piano

Hauschka @HBC Berlin

Ich vermute, dass an isländischen Schulen die Lehrerschaft zu einem sehr hohen Prozentsatz aus Elfen besteht. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass alle Isländer, die man kennt (Björk, Sigur Rós, Amiina, Emiliana Torrini, Múm. Mehr gibts nicht) so geheimnisvoll verhuscht wirken. Ganz so als würden sie von Kindesbeinen an gelehrt werden, in einer anderen Realität zu existieren, die mit der unsrigen, der mitteleuropäischen nur wenig verbindet. Das schüchterne Flüstern der Cellistin Hildur Gudnadottir (auch bei Múm aktiv) und ihre märchenhaft schöne Musik zu Beginn des heutigen Abends im .HBC unternahmen zumindest keine großen Anstrengungen, um diese Hypothese zu widerlegen.

Ein paar Elfen saßen wahrscheinlich auch in Hauschkas Flügel (oben im Bild). Denn der klang bisweilen wie ein Zimmer voller Spieluhren. Später behauptete Hauschka, dass er sich einiger Effektgeräte bedient habe, um seinem Pianospiel einen „physical aspect“ hinzuzufügen. Ob Effektgeräte oder Elfen: Sicher ist, mit geschickt eingesetzten Loops entstand bisweilen eine beinahe technoide Rhythmik.

Mehr über seine Arbeit erfahren Sie zum Beispiel hier:

How much material is contained in a tone? from realiction on Vimeo.

Wochenende mit Bäumen

Foto: Jan Windszus © Temporäre Kunsthalle Berlin, John Bock

Da wollte ich besonders clever sein und bin, um lange Wartezeiten zu vermeiden, am frühen sonnenbeschienenen Freitagnachmittag und nicht erst am nächsten verregneten Sonntag in die Temporäre Kunsthalle rübergeradelt. Was ich nicht bedacht hatte: Touristen haben häufig Urlaub und treiben sich auch gerne während der regulären Kernarbeitszeiten in kulturellen Einrichtungen rum. So stand ich dann doch eine gute halbe Stunde in der Schlange vor dem baugerüstigen, von John Bock kuratierten Monster-Meta-Exponat „FischGrätenMelkStand„, das sich die Werke von 63 Künstlern einverleibt hat. Dürfen ja immer nur 45 Besucher gleichzeitig rein in das unübersichtliche System aus Gängen und Kammern und Treppen und Autoreifen, verkohlten Pizzas, Installationen, die doch sehr nach Physik-Grundkurs aussehen, eingestaubten Fernsehern, Durchbrüchen durch die Außenhaut der Halle und vielem mehr. Mein Fave: Die Videoprojektion „Virus Meadow“ von And Also The Trees im 2. OG. Ein Live-Mitschnitt von 2007, die Musik kommt über Kopfhörer, durch ein Loch in der nicht besonders hübsch bemalten Holzwand sieht man die Jones-Brüder performen. John Bock scheint ein großer Fan der Briten zu sein, lud And Also The Trees sogar zu einem Konzert in die Kunsthalle ein. Dem Gig am 9. Juli konnte ich nicht beiwohnen, da ich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Die Ausstellung läuft noch bis 31. August.

Ziemlich genau so sieht das in der Kunsthalle gezeigte Filmchen aus:

Noch mehr Bäume:

Morgen, am 31. Juli, lädt die Künstlergruppe Shake Your Tree zu Diskurs und Disko ins .HBC. Es wird gefeiert werden. Das Herausgeben von Heften zum Beispiel. Die Live-Acts Tracky Birthday, Roglok und ein erfahrenes DJ-Team um die Routiniers Manuel Buerger und Konrad Kuhn werden dieser wenig surrealen Versuchsanordnung eine ebenso funktionale wie poetische Struktur verleihen, dessen bin ich mir ziemlich sicher.

I Feel Like Screendancing

Irgendwann in den 90ern ging das los, dass man im Club auf einmal etwas zu sehen bekam. Im Idealfall synchron zur Musik ineinander gemorphte kleine Kunstwerke, häufig aber nur uninspiriert aneinandergereihte Schnappschüsse vom letzten Ostseeurlaub des VJs oder so was. Die noch recht junge Kultur der Club-Visuals wird heute ab 20 Uhr schon musealisiert: Initiator und Kurator Alexis Waltz eröffnet im .HBC in der Karl-Liebknecht-Straße (am Alex) die bis zum 3. Juni laufende Ausstellung „Screendancing – A Retrospective Of Berlin Club Visuals„. I’ll be there.

In den nächsten Wochen zeigen ein paar Veteranen des Genres, wie das live aussieht:

VIDEOCONCERTs at the .HBC KINOSAAL :
15.05. telematique & u-matic with DJ Errorsmith * JUTOJO with DJ Phillip Sollmann/Efdemin
22.05. Lillevan (solo) * Jörg X. Franzmann with Kotai live
29.05. Pfadfinderei with t.b.a. * visomat inc. with DJs Bass Dee, Feed

CTM.10 – Erster Eindruck

Vorher im .HBC die Akkreditierung für Club Transmediale & Transmediale abgeholt und gleich die erste Installation angeschaut. Schlagzeugern blutet das Herz, alle anderen amüsieren sich, vor allem alte Tekken-Fans wie ich: Raphael Isdant degradiert für „A Battre“ zwei komplette Drumsets zu Controllern für die Klopperei auf dem Screen. Symbol für einen Paradigmenwechsel?

Bin dann mal im WMF

Ein Album in 3D

Ab morgen im .HBC (Karl-Liebknecht-Str. 9 am Alex) zu sehen/hören: „xx: A Sculpture of the Album“. Eine Audiovisuelle 3D-Installation zum Album des Jahres 2009 von Saam Farahmand, einem der interessantesten Clip-Regisseure der letzten Jahre. Hingehen!

Opening Times:

Thursday 21st January: 16.00 – 18.00
Friday 22nd January: 12.00 – 18.00
Saturday 23rd January 12.00 – 21.00
Sunday 24th January 12.00 – 21.00
Monday 25th January 12.00 – 21.00

Der Eintritt ist frei.