Die neue Ernsthaftigkeit

XOOOOX 2011

XOOOOX 2011

XOOOOX hat seine Schablonen verloren und muss jetzt richtig malen. Geht schon ganz gut, nur mit dem Schreiben hapert es noch ein wenig. Tipp: Den Stift einfach mal in die andere Hand nehmen, dann schreibt man nicht mehr spiegelverkehrt (Ausstellung bis 23. April in der Circleculture Gallery).

Laura Lopez Castro@Umasan

Umasan, das vegane Fashion-Label, eröffnete gestern in der Linienstraße 40 seinen Flagship-Store. Zum Lachen Trinken musste man in den Keller gehen. Oben im Erdgeschoss sang Laura Lopez Castro ein paar ihrer ernsten Lieder.

Zweierlei Tempi

Ein Abend mit zwei Art-Events, die unterschiedlicher kaum sein könnten:

Le Salon Du Cercle De La Culture

Le Salon Du Cercle De La Culture

Die Circleculture Gallery eröffnete gestern ihren „Le Salon Du Cercle De La Culture A Berlin“ und setzte der nüchternen Strenge der sonst üblichen White-Cube-Präsentation eine urig gemütliche Lounge-Atmosphäre entgegen. Die Galerie in der Gipsstraße bleibt bis zum 23. Juli eine mit Sesseln, Tischchen, Kerzen und Schalen mit Teegebäck voll gestellte Nachbildung eines „literature and art salons of the early 20th century“. So opulent wie das Interieur auch die Liste der ausgestellten Künstler: XOOOOX, Nomad, Stefan Stumbel, Aaron Rose, Anton Unai, Helle Mardahl, Ed Templeton oder Jaybo Monk.

Und genau dieser Jaybo lud gestern zum Live Painting in seinen Project Room in der Schönhauser Allee. Dort durften Augustine Kofie und El Mac ran. Binnen weniger Stunden mussten die beiden Street Artists ein Piece an die Wand hektiken („One Night One Piece„). Ein krasser Gegensatz zu der auf Genuss und Langsamkeit abzielenden Salon-Situation in der Circleculture Gallery.

Live Painting@Project Room 1

Live Painting@Project Room 3

Live Painting@Project Room 2

Live Painting@Project Room 4

Live Painting@Project Room

Leisten solche Veranstaltungen der Junk-Foodisierung der darstellenden Kunst Vorschub, bei der lediglich ein paar hingeschluderte Wegwerfprodukte entstehen? Oder verschafft man damit den Künstlern die Möglichkeit, motiviert durch die Anwesenheit eines Publikums, zur Bestform aufzulaufen? Wie in einem WM-Finale der Malerei bzw. Sprüherei einen Prozess langer und intensiver Vorbereitung kulminieren zu lassen. Um darauf eine Antwort zu erhalten, hätte man die Künstler befragen müssen. Aber die waren ja die ganze Zeit beschäftigt. Vielleicht hole ich das bald mal nach.

Don’t Miss This One

Charlie Isoe: Judas Was A Good Dancer (2008), in courtesy of the artist & Circleculture Gallery

Unbedingt anschauen: Charlie Isoes erste Einzelausstellung in Europa: „Will Be Home Late – Leave The Light On“ – noch bis zum 11. April in der Circleculture Cc: Gallery (Gipsstr. 11, Berlin-Mitte). Der Egon Schiele des 21. Jahrhunderts oder so. Die Bilder des jungen Australiers waren schon vor der Eröffnung alle verkauft. Also schnell noch mal einen Blick darauf werfen, bevor sie in den Atombunkern der internationalen Kunstsammlermafia verschwinden.

(Credit: Charlie Isoe: Judas Was A Good Dancer (2008), in courtesy of the artist & Circleculture Gallery)