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Credit: Monika Wensel / The Hype Machine

Ein letzter Blick zurück auf das vergangene Jahr: The Hype Machine präsentiert diese Woche häppchenweise die 50 besten Alben, Songs, Artists of 2009. Ausgewählt von den – wie sie es treffend formulieren – „most passionate music fans alive: music bloggers“ (für die Albumliste werteten sie die Charts von 550 Bloggern aus). Ganz wunderbar mit schönem exklusivem Artwork für die Artists-Rubrik, Albumplayern und so. Hier klicken. Du wird es nicht bereuen.

Best Of 2009 – Der Countdown – 1

The XX – „XX“ (XL-Beggars/Indigo)

Meine Lieblinge: The XX, die besten Post-Punk-Hipster-Wanker des Jahres! Minimalismus in seiner attraktivsten Darreichungsform. Wer waren gleich noch mal The Kills? In der Supermodel-freien Zone von The XX verlieren sich anämische Wave-Gitarren in weiten, menschenleeren Klangräumen. Zwar stehen sie im Video ziemlich angestrengt unmotiviert da – wie uncoole Enkel von The Cure. Aber diese Boy-Girl-Duette sind schlicht fantastisch. Dabei sind die vier drei Londoner so jung, dass sie wahrscheinlich noch gar nicht kapiert haben, wie geil ihr Debütalbum eigentlich ist.

Best Of 2009 – Der Countdown – 2

Major Lazer – „Guns Don’t Kill People… Lazers Do“

Aus einer Bierlaune heraus erschufen Diplo und Switch diesen Cyborg mit der Laser-Hand. Dancehall-Madness, top-notch Beats, Handy-Gebimmel und wiehernde Pferde – wissen die beiden DJs/Producer eigentlich, was sie tun? Oh ja! Sie mögen es halt wicked. Nicht ohne Grund schickt seit ein paar Jahren jeder, der auch nur einen Funken Style im Leib hat, keinen Tune ohne Diplo- oder Switch-Remix in die Clubs: Bloc Party, Santigold, CSS, Hot Chip, Justin Timberlake, Kanye West, Radiohead, P. Diddy oder, ähm, Britney Spears. Aber eines können die beiden nicht: singen. Deswegen mussten Amanda Blank, Mr. Vegas, Mr. Lex oder Santigold ran. Rewind-verdächtig.

Best Of 2009 – Der Countdown – 3

Scott Matthew – „There Is An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage That’s So Violent To Cross It Could Mean Death“ (Glitterhouse/Indigo)

Nein, das ist nicht der längste Album-Titel aller Zeiten. Aber „There Is An Ocean…“ ist das sympathischste und romantischste Drama-Folk-Album des Jahres. Der bärtige nach New York ausgewanderte Australier steht einem Antony Hegarty in nichts nach, schmachtet mindestens so ergreifend wie der mit den Johnsons. Sein Hang zur Theatralik hat ihm Vergleiche mit Morrissey oder David Bowie eingebracht – und das passt zu diesem rastlosen Musiker, der offensichtlich nur in seinen Konzerten ganz ruhig wird. Da sitzt Scott auf einem Hocker, begleitet von Piano und Cello zupft er an einer kleinen Ukulele rum, singt herzerweichend und schüttet Unmengen von Rotwein in sich rein, ohne betrunken zu werden. Einzigartig.

Best Of 2009 – Der Countdown – 4

Harmonic 313 – „When Machines Exceed Human Intelligence“ (WARP/Rough Trade)

Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte… Die Maschinen werden bald die Herrschaft ergreifen und uns Säugetiere regieren. Damn, das wird toll. Mark Pritchards Maschinen haben den IQ-Test auf jeden Fall schon bestanden und räumen sich mit ihren Apokalypsebässen den Weg frei – ein Elektro-Techno-HipHop-Dubstep-Acid-Massaker, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Schon lange nicht mehr passiert, dass mir beim routinemäßigen Sichten eines CD-Stapels ein Album untergekommen ist, das mich vom ersten Moment an so gefesselt hat, dass mir erst mal die Kinnlade nach unten geklappt ist. Verblüfft und begeistert wie ich war. Ach, was liebe ich diese menschenfeindlichen Soundscapes, diese Retro-SciFi-Ästhetik und diese cheapen Computer-Sounds. Go Maschine, go!

Best Of 2009 – Der Countdown – 5

Phoenix– „Wolfgang Amadeus Phoenix“ (V2-Cooperative/Universal)

Ein perfektes Pop-Album oder auch „eine schöne französisch-amerikanische moderne Fortschreibung des weißen Beatles-Albums“ – wie Thomas Mars‘ Onkel Hellmuth Karasek im Rolling Stone schreibt –, also: Nicht so unmittelbar rockig wie das Vorgänger-Album, dafür ein schön anmaßender Titel, geschmeidige Hits, die den Eindruck erwecken, die Versailler Wunderkinder hätten sie en passant zwischen dem ersten Café au lait und der zweiten Zigarette des Tages aus dem Ärmel geschüttelt, trotz der komplex geschichteten Gitarren-Synthie-Texturen. Und dann, genau im richtigen Moment, kommt ein Break: „Love Like A Sunset Part I & II“, die befreiende Krautrock-Pause in der Mitte des Albums. Wie gesagt: perfekt.

Best Of 2009 – Der Countdown – 6

The Rumble Strips – „Welcome To The Walk Alone“ (Island/Universal)

Ich mag Sänger, die so sehr bei der Sache sind, dass ihnen vor Euphorie fast die Stimme weg bricht. David Byrne (Talking Heads) gehört in diese Kategorie. Oder Alec Ounsworth von Clap Your Hands Say Yeah. Auch The Rumble Strips haben mit Charlie Waller so einen am Start. Und das ist gut, denn genau diese extra Dosis Pathos braucht der von Mark Ronson produzierte 60’s Soulrock, um nicht unterzugehen zwischen den Eli „Paperboy“ Reeds und Amy Winehouses dieser Welt. Ein leicht größenwahnsinniges, aber sehr kompakt aufgestelltes Album, das ich nach dem ersten Hören sofort ins Herz geschlossen habe.

Best Of 2009 – Der Countdown – 7

Beak> – „Beak>“ (Invada/Cargo)

Er war ja nie ganz weg, aber 2009 feierte Krautrock ein kleines Comeback. Gigolo Hell entdeckte (auf „Teufelswerk“, das beinahe in meine Top 10 gerutscht wäre) sein Faible für kosmische Musik. Eine Band, die weiter vorne in meiner Jahresbestenliste auftauchen wird, unterbrach ihr sonst sehr kompaktes poppiges Album mit einem ausufernden Krautrock-Interlude. Überraschend steif und störrisch auch Geoff Barrows (Portishead!) neues Projekt Beak>. Mit Billy Fuller und Matt Williams spielte der Brite binnen weniger Tage ein verstörend schönes Album ein. Trockene Schlagzeug-Beats, dröhnende Orgel, mäandernde Gitarren – ein gelungener Balance-Akt zwischen Krautrock und Post Rock. Die Guidelines („The music was recorded live in one room with no overdubs or repair, only using edits to create arrangements. All tracks were written over a twelve-day session in SOA Studio’s, Bristol.“), die sich die Band selbst auferlegt hat, wirkten in keinster Weise limitierend. Im Gegenteil.

Kompletter Album-Stream auf der Website der Band (für 7 GBP auch als Apple-Lossless-Download).

Best Of 2009 – Der Countdown – 8

God Help The Girl – „God Help The Girl“ (Rough Trade-Beggars/Indigo)

Stuart Murdoch kennt man von Belle And Sebastian. Für GHTG hat der Schotte ein paar singende Girls (u. a. Catherine Ireton, die auch schon auf einem Belle-And-Sebastian-Cover zu sehen war, Asya von Smoosh) um sich geschart, die seine Songs so lieblich intonieren, dass bald nicht mehr weiß, ob hier nicht vielleicht doch einfach Belle And Sebastian spielen. Eigentlich hatte Stuart den Plan gehabt, einen Film zu drehen, da er aber nun einmal gelernter Songwriter ist, war die Musik zuerst fertig, die Bilder fehlen noch immer. Herzallerliebster 60’s Pop, nur echt mit 45-köpfigem Orchester.

Best Of 2009 – Der Countdown – 9

Speech Debelle – „Speech Therapy (Big Dada/Rough Trade)

Die Mercury-Prize-Gewinnerin, die so entspannt von ihrem nicht immer gemütlichen Leben in South London erzählt und dazu gleich eine ganze Band swingen lässt, dass man sich sofort an The Roots, Arrested Development oder Gang Starr erinnert fühlt. Jazzy HipHop, der auch vielen gefallen wird, die mit dieser eigenartigen Rap-Musik eigentlich überhaupt nichts anfangen können, weil sie meinen, dafür entweder zu alt oder zu schlau zu sein. Und die kleinen stressigen Atzen von umme Ecke können von Speech auch noch einiges lernen, wa. Produziert hat das Album Big Dadas Geheimwaffe Wayne Bennett (Lotek HiFi).