Let It Snow, Let It Snow, Let It Snow

Kommenden Donnerstag darf sich die vorweihnachtliche Besinnlichkeit eine kurze Auszeit nehmen. In der Beletage über dem ktv in der Chausseestraße 36 (in Berlin-Mitte – wo sonst) startet gegen 20.30 Uhr die Ausstellung „Satellite Noir“. Der Name verrät es schon: Es wird wenig bunt werden. Noir ist das neue Schwarz. Dashs Bruder Max Snow präsentiert einige seiner Schwarz-Weiß-Fotografien mit hohem Schwarz-Anteil (siehe oben). Björn Wallbaum zeigt seine „Black Theory Series“. Womit sich diese Theorie beschäftigt? Das musst Du schon selbst herausfinden.

The Tree Story

Bäume, Bäume, immer wieder Bäume. Wenn das so weitergeht, kaufe ich mir bald die Domain bäumeundso.de. Die hat sich übrigens tatsächlich schon jemand unter den Nagel gerissen. Egal. Zum eigentlichen Thema:

Leila El-Kayem zeichnet gerne Bäume. Nur ein paar schnelle Striche, vielleicht noch ein paar Worte daneben gekritzelt und fertig ist das kleine Kunstwerk. 50 dieser Zeichnungen werden vom 16. September bis 4. Oktober im BOLD Room in der Gormannstraße 23 in Berlin-Mitte ausgestellt – und für 80 Euro das Stück verkauft. BOLD ist übrigens eine neue PR-Agentur, die mit dieser Aktion ihre Eröffnung feiert. Und da das Thema Nachhaltigkeit immer noch zieht, gibt BOLD die Kohle an die Organisation Trees for Cities weiter. Die pflanzen für jedes verkaufte Kunstwerk in irgendeiner Stadt irgendwo auf der Welt einen echten Baum. Opening ist am Donnerstag, den 16. September ab 19 Uhr. Wer als Baum kommt, kriegt von mir ein Bier spendiert.

Bewegte Bilder

Simply Video@Kunstmuseum Stuttgart

Bis zum 22. August im Stuttgarter Kunstmuseum zu sehen: „Simply Video – Bewegte Bilder aus der Kunsthalle Bremen„. Das beste Exponat ist gleichzeitig auch eines der ältesten. Die Closed-Circuit-Videoinstallation „mem“ von Peter Campus entstand schon 1974/75 und erlaubt Interaktion mit dem Besucher. Gefällt mir ja generell gut, wenn man im Museum ein wenig rumspielen darf. Hatte leider nur mein Handy zur Hand, deswegen war mehr als dieses lausige Bild nicht drin. Einige der anderen neun Projektionen und Videoskulpturen sind aber zum Teil erschreckend simpel. Wer gerade ein Stündchen Zeit hat, kann trotzdem mal reinschauen.

I Feel Like Screendancing

Irgendwann in den 90ern ging das los, dass man im Club auf einmal etwas zu sehen bekam. Im Idealfall synchron zur Musik ineinander gemorphte kleine Kunstwerke, häufig aber nur uninspiriert aneinandergereihte Schnappschüsse vom letzten Ostseeurlaub des VJs oder so was. Die noch recht junge Kultur der Club-Visuals wird heute ab 20 Uhr schon musealisiert: Initiator und Kurator Alexis Waltz eröffnet im .HBC in der Karl-Liebknecht-Straße (am Alex) die bis zum 3. Juni laufende Ausstellung „Screendancing – A Retrospective Of Berlin Club Visuals„. I’ll be there.

In den nächsten Wochen zeigen ein paar Veteranen des Genres, wie das live aussieht:

VIDEOCONCERTs at the .HBC KINOSAAL :
15.05. telematique & u-matic with DJ Errorsmith * JUTOJO with DJ Phillip Sollmann/Efdemin
22.05. Lillevan (solo) * Jörg X. Franzmann with Kotai live
29.05. Pfadfinderei with t.b.a. * visomat inc. with DJs Bass Dee, Feed

Ein Leben für den Pop

Takashi Murakami x Kanye West Bear Toy@Hamburger Kunsthalle 2010

Credit: Takashi Murakami

Gerade erst eröffnet: Die PopArt-Ausstellung „PopLife“ in Hamburg. Neben Obszönitäten von Koons, Eitelkeiten von Kippenberger, dem obligatorischen Warhol, ein bisschen Blingbling von Hirst oder Altbackenem von Haring geht Takashi Murakami am derbsten ab. Sein für Kanye West entworfenes shiny Bärchen – und alles andere natürlich auch – ist noch bis zum 9. Mai in der Kunsthalle zu sehen. Genauer: In der Galerie der Gegenwart. Man kann aber auch vom Hauptbahnhof kommend direkt zum Haupteingang rein und sich durch den gesamten Gebäudekomplex durchschlängeln, vorbei an den Alten Meistern, der Ausstellung zur Klassischen Moderne usw. Wenn man es eilig hat und sich nicht verläuft, dauert das keine zehn Minuten. Außerdem ist es trocken und warm und man sieht auch mal die ruhigen Ecken der Kunsthalle. Sollte man doch mal die Orientierung verlieren, steht an jeder Ecke ein hilfsbereiter Angestellter und weiß, wie und wo es weitergeht. Auf dem Rahmen eines dieser übergroßen Ölgemälde, die da überall zusammen rumhängen, habe ich übrigens zwei bestens zur Jahreszeit passende Zeilen entdeckt:

„Heimlich unter dem Schnee keimt schon der zukuenftige Fruehling.

Troeste Dich, alterndes Haupt: Jeder Tod ist nur Schein.“

Na dann.

Hier gibt es nichts zu sehen

Zeigen@Temporäre Kunsthalle Berlin

Noch bis Sonntag läuft in der Temporären Kunsthalle die Ausstellung „Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin„. Ich kann den Besuch nicht uneingeschränkt empfehlen. Dafür haben mich die Beiträge von Nevin Aladag, Carsten Nicolai, Christian Flamm, Norbert Bisky, Jonathan Meese und knapp 600 weiteren Berliner Künstlern zu wenig begeistert. Vieles erweckt den Eindruck, da wäre nur jemand einer lästigen Pflicht nachgekommen. Schnell was hingeschludert und weggeschickt. Ich hänge dagegen der romantischen Vorstellung an, dass sich ein Künstler liebevoll um jedes kleine Elementarteilchen seines Oeuvres kümmern sollte, auch wenn es nur ein einminütiger Sound-Schnipsel für eine Massenausstellung ist. Vielleicht habe ich mir aber auch nur die falschen Beiträge angehört (Auswahlkriterien: persönliche Bekanntschaft mit dem Künstler, großer Bekanntheitsgrad, Kommissar Zufall).

Auf die Ausstellung hinweisen will ich trotzdem, denn das Konzept an sich gefällt mir. Die Kuratorin Karin Sander bat die teilnehmenden Kreativen um Audiodokumente. Da die Teilnehmer aber mehrheitlich sonst nicht mit Sound arbeiten, beschreiben manche einfach ihr Kunstverständnis (gerne auf Englisch mit starkem deutschem Akzent), andere haben ein kleines Stück Musik komponiert (komponieren lassen?), Klang-Collagen geschaffen, lesen etwas vor oder machen sonst was. Am Eingang bekommt jeder Besucher einen Audio-Guide in die Hand gedrückt und kann anhand von Zahlenkombinationen die Werke der einzelnen Künstler anwählen, zuhören und dabei durch die bis auf ein paar Eames-Stühle komplett leere Halle schleichen.

Zeigen@Temporäre Kunsthalle Berlin

Zeigen@Temporäre Kunsthalle Berlin

Credit: Julia Fuchs & me