Mein IFA-Fave

Ja, ich habe es kapiert: 3D-TV ist rischtisch geil. Offensichtlich hat die gesamte Consumer-Electronics-Branche in geheimen Absprachen beschlossen, voll und ausschließlich auf 3D-Fernsehen zu setzen. Auf der gerade zu Ende gegangenen IFA konnte man keine zwei Schritte gehen, ohne an mindestens drei 3D-TVs vorbeizumarschieren. Auf den dort verwendeten riesigen (und wahrscheinlich unbezahlbaren) Displays beeindruckte das Ergebnis natürlich – für circa fünf Minuten. Nach einer halben Stunde machte sich eine gewisse Gleichgültigkeit breit. Nur wenig später begann ich, um die 3D-Präsentationen einen großen Bogen zu machen. Was dazu führte, dass ich schnellen Schrittes eine um die andere Messehalle durchmaß, ohne auch nur einmal anzuhalten.

Hin und wieder stachen ein paar schicke iPad-Konkurrenten ins Auge, allesamt so intuitiv zu bedienen wie das Vorbild von Apple. Ein Stand war cleverer konzipiert als alle anderen: Sony gelang wieder einmal die beste Inszenierung. In Halle 4.2 (das kann doch kein Zufall sein!). Eine Bühne im Zentrum, in der Peripherie des Messestandes gut aufbereitete harte Fakten zu den Produkten. Entertainment meets Education.

Doch mein Favorit war ein anderer, viel kleinerer Stand: Bling My Thing versteckten sich in der Ecke einer Halle abseits der großen Hauptachsen. Dabei warben sie für ein so schön glamouröses Produkt. Ihr Geschäftsmodell sieht vor, unzählige kleine glitzernde Edelsteine (oder was man dafür hält) auf Handys und Kameras zu kleben. Klingt langweilig, führt aber, wenn man nur verschwenderisch genug damit umgeht, zu atemberaubendem Bling-Bling. Daumen hoch!

Bling My Thing

Wo sind eigentlich meine Grillz?

Das Line-Up steht

Brille aufsetzen und staunen. Die spielen wirklich alle auf dem Berlin Festival am kommenden Wochenende. Die endgültige Running Order:

Berlin Festival 2010 Running Order

Die Veranstalter haben offensichtlich große Angst vor Besucherschwund durch Regen. In einer Mail an die „lieben Medienpartner“, so nennt der PR-Schaffende alle Journalisten & Blogger, bitten sie, folgenden Hinweis zu veröffentlichen:

„Auch wenn das Wetter (vielleicht) am Freitag nicht so toll wird: das Berlin Festival ist auch in diesem Jahr wieder absolut „dicht“! Nicht nur die beiden Bühnen in Hangar 4 und 5 sind regensicher: auch die große Open Air Hauptbühne wurde so konzipiert, dass selbst bei starkem Regen (auf den wir natürlich nicht hoffen) die Zuschauer garantiert im Trockenen stehen, denn der gesamte Zuschauerbereich ist überdacht!
Und dennoch Open-Air(port). Wo gibts denn sowas?“

Kann man ja mal posten, ne.

Anders als die anderen

Berlin Festival 2010 Teaser from Berlin Festival on Vimeo.

Auf einem Festival war ich ja schon lange nicht mehr. Bei der Fusion rennen zu viele Hippies rum, das Melt ist immer genau dann, wenn ich schon andere Termine habe, für das Wacken sind meine Haare nicht lang genug, Dixie-Klos umgehe ich generell gerne weiträumig, durch knietiefen Matsch zu pflügen, bereitet mir auch keine Freude, ich bin ja schließlich kein Traktor – sondern eine sensible Großstadtpflanze. Und genau darum werde ich am 10. und 11. September in Tempelhof vorbeischauen. Dann wird das Berlin Festival auf dem ehemaligen Flughafen landen, und dieses Festival ist in vieler Hinsicht nahezu perfekt:

– Feinster Asphalt überall und deswegen garantiert matschfrei.

– Die Schnittmenge (wird heute eigentlich noch Mengenlehre unterrichtet? War Ende der 70er/Anfang der 80er unverzichtbarer Bestandteil des Mathematikunterrichts) zwischen meinem Musikgeschmack und dem der Booker ist groß (beinahe A=B). Es kommen: Caribou, Hot Chip, Fever Ray, We Have Band, Neon Indian, LCD Soundsystem, Wedding Present, Amiina, … Fatboy S(ch)lim(m) muss man sich ja nicht anschauen.

– Doch auch das beste Konzert ist irgendwann vorbei. Und dann fahre ich einfach nach Hause und schlafe in meinem Bett und muss nicht auf allen Vieren in ein verschimmeltes Zelt kriechen, das jeden Moment einzustürzen droht oder noch gar nicht aufgebaut ist.

– Wenn das Wetter nicht mitspielt, geht man halt in den Hangar. Okay, der Sound war letztes Mal nicht immer ideal, aber das kriegen die diesmal hoffentlich besser in den Griff.

Nebenbei kann man sich den echt mal eindrucksvollen, mehr als einen Kilometer langen Gebäudekomplex anschauen.

Tickets und Infos da.

Der englische Patient

Passt heute so schön: Zwischen Eröffnungsspiel und dem langweiligen 0:0 noch kurz in meinem favourite Zeitschriftenladen vorbeigeschaut. Gleich am Eingang auf ein schmales Bändchen gestoßen, das dem prominentesten Sportverletzten der Republik gewidmet ist: 73 Ballack-Fotografien, die Olaf Nicolai 2005 bis 2006 aus Tageszeitungen ausgeschnitten hat. Auf 250 Stück limitiert, nummeriert, 35 Euro teuer und auch direkt beim Verlag bestellbar. Nice.

Vorfreude

Drüben bei den lustigen Hamburgern von Hanseplatte gibt es den wahrscheinlich besten, weil raffiniertesten (Tabellen für jeden Vorrundenspieltag!) WM-Spielplan zu kaufen. Ausgedacht und handgemalt von DJ DSL:

Falls noch nicht geschehen, solltest Du übrigens unbedingt den Newsletter des Hanseplatte-Shops abonnieren. Der ist immer für ein bis drei Lacher gut.

Feiertag

Donnerstag feiern die Christen ein Fest – und da die Trennung von Staat und Kirche so prima funktioniert, haben an diesem Tag alle frei. Soll mir recht sein. Denn der Abend vor Christi Himmerfahrt ist – wie schon 2009 – für das Spex-Live-Festival im Berghain reserviert. Die tolle Robyn macht diesmal den Headliner. Die High Places stehen auf dem Plakat direkt darunter, sind anders als die Top-100-verwöhnte Schwedin aber doch noch sehr geheimtippig unterwegs. Insgesamt ein ziemlich abwechslungsreiches Line-up: Metropolen-Pop von Norman Palm (als Ersatz für Villagers). Trevor Jackson (Playgroup), Annie, Efdemin, Mute-Records-Gründer Daniel Miller, die Berghain-Residents Marcel Dettmann & nd_baumecker u. v. a. legen auf. Ick freu mir auf:

Konichiwa Bitches from Robyn on Vimeo.

transmediale.10 – Impressionen

Mein erster Tag im Haus der Kulturen der Welt (zu Beginn der Transmediale-Woche lag ich krank im Bett, damn) brachte ne Menge Input.

Conrad Wolfram, Mitbegründer der Google-Konkurrenz Wolfram Alpha, nutzte seine Keynote-Rede zu dem großen Thema „Ideologies and Futures of the Internet„, um sein Baby Wolfram Alpha ausführlich vorzustellen, verknüpfte die Eigen-PR aber mit schlauen Bemerkungen zur Organisation von Wissen. Denn jetzt, wo jede denkbare Information quasi frei zugänglich ist, sind wir gefordert. Fazit: Wir müssen lernen, die richtigen Fragen zu stellen.

Wolfram Alpha wartet nur darauf. Ich hab vorher mal ein wenig damit rumgespielt. In manchen Bereichen weiß die Suchmaschine immer noch erschreckend wenig, ist aber immer dann stark, wenn es um die Verknüpfung und Darstellung von Fakten geht. Beispiel: Die einfache Suche „google vs. yahoo“ listet nicht nur diverse Kennzahlen auf, sondern liefert gleich auch ein Schaubild, das viel über den Erfolg der einen und Misserfolg der anderen Company aussagt:

googlevsyahoo

Auch gut: Das von der Kenianerin Juliana Rotich, Blogger & Digital Activist, vorgestellte Projekt Africa Knows. Nichts weniger als ein „Re-branding of Africa“ haben sich die Initiatoren auf die Fahnen geschrieben. Sie wollen der Welt ein anderes Gesicht des Kontinents zeigen, als jenes, das unsere Nachrichtensendungen bestimmt. Ein Afrika jenseits von Katastrophen und Kriegen. Bilder aus Ecken abseits der Touristen-Trampelpfade. Also einfach: Afrika aus Sicht der Afrikaner.

Ein weiteres Highlight: Futura Obscura, eine Ausstellung mit „artworks that use the materials, mechanisms and machines of image-making to illuminate and define our relationship with atemporality – the collision of past, present and future.“ Das führt zu einem data.tron mit Nachrichten direkt aus der Matrix, einer elektronischen Camera Obscura oder Robotern auf Paparazzi-Mission. Zu Gunsten der Erdbebenopfer von Haiti wurde die Ausstellung um zwei Tage – bis zum 9. Februar – verlängert!