Can I Get An Amen? Hell no!

Heute hat das selbstbewusst auftretende Berliner Start-Up Amen seine Private Beta hinter sich gelassen. Auf dem Online-Angebot kann man seine Meinung verbreiten, also Aussagen treffen wie z. B. „Musikantenstadl is the Best TV Show Ever“. „Worst“ steht glücklicherweise auch zur Wahl. Andere können dem zustimmen (mit einem „Amen“) oder ihren Unmut kundtun („Hell no!“) – und müssen dann einen Alternativvorschlag machen. So entstehen mitunter lange Listen, geordnet nach der Anzahl der „Amen“, die eine „Person“, ein „Thing“ oder „Place“ auf sich vereinen konnte. Wie bei Twitter anderen followen kann man auch.

Zu Beginn ist das Ganze kurz verwirrend, weil man nicht einfach eintippen darf, was man will, sondern permanent Vorschläge aufblitzen, die nicht immer zum Thema passen. Dass man an jeder Stelle eingreifen kann und die Vorschläge nicht annehmen muss, habe ich erst nach einigen Versuchen bemerkt. Dann macht die Seite auch kurz Spaß. Man denkt sich selber was aus, verteilt bei anderen ein paar zustimmende „Amen“ oder denkt sich „Hell no!“ und erweitert eine Liste um einen weiteren Punkt. Aber das war es dann auch schon. Auf Dauer wird die Seite vor allem ewigen Rechthabern mit übersteigertem Geltungsbedürfnis Freude bereiten. Und Hobby-Buchhaltern, also Menschen, die die Welt sortieren müssen, damit alles seine Ordnung hat.

Okay, über manche Amens musste ich schmunzeln, aber nach kurzer Zeit hinterließ das dauernde Einordnen und Korrigieren und Followen – andere Funktionen bietet die Seite nicht – einen schalen Beigeschmack. Klar, man könnte einwenden, Facebook u. a. verdienen auch Geld mit den Aktivitäten ihrer User und den Inhalten, die wir alle kostenlos zur Verfügung stellen. Aber man merkt es dort nicht permanent, sondern freut sich öfter mal darüber, dass man etwas über seine Freunde erfährt oder ihnen mitteilen kann. Bei Amen fühlt man sich dagegen schnell wie ein kleiner Roboter, der unbezahlt und unermüdlich dabei hilft, Daten so aufzubereiten, dass die Amen-Macher damit irgendwann mal ordentlich Kohle verdienen können.

Wäre Amen in Facebook integriert, wäre es die nächste lästige App, die ich aus meinem News Feed verbannen würde. Übrigens: Facebook Questions ist Amen gar nicht so unähnlich – und das Feature benutze ich so gut wie nie.

Auch wenn Sie schon Ashton und Demi für sich gewinnen konnten, der große Wurf ist Amen nicht.

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