Gorillaz – Plastic Beach

Ein einminütiges Ozean-Atmo- & Orchester-Intro und dann nuschelt auch schon Snoop Dogg verschwörerisch „Welcome To The World Of The Plastic Beach“. Hier nimmt noch jemand das Albumformat ernst und hat sich ein bis zwei Gedanken zu Aufbau und Dramaturgie gemacht. Damon Albarn begrüßt viel Prominenz auf seinem privaten „Plastic Beach“ – „ein gigantisches Kontrollzentrum, das am Point Nemo inmitten des Südpazifiks auf einem großen Müllberg schwimmt“, so die Info. Jetzt üben die niedlichen Comic-Figuren auch noch Zivilisationskritik.

Zurück zu Snoop Dogg: Zu seinem sanften Flow flirren Streicher. In Filmen passiert in solchen Momenten immer in den nächsten Sekunden etwas Schreckliches und Zartbesaitete schauen präventiv schon mal weg. Hier besser nicht weghören, sonst verpasst man funky Beats, pluckernden Bass und quäkende Schweineorgel. „White Flag“ beginnt als so eine Art Dschungelbuch-Soundtrack, entscheidet sich zum Glück aber ziemlich bald für wicked UK-HipHop/Grime mit Kano am Mic. Wenn Albarn selber sprechsingt, klingt der Arme immer ein wenig gelangweilt. Dafür borgen sich die Gorillaz diesmal gerne ein bisschen lustigen Ethno-Elektro-Mayhem, wie ihn M.I.A., Ebony Bones oder Santigold auf die Hipster-Agenda gesetzt haben.

Manchmal habe ich den Verdacht, dass die Songs nur als Begleitung zu einem Film oder einer Live-Show mit Visuals geschrieben sind, dass also eine wichtige Komponente fehlt. Oder um es etwas deutlicher zu sagen: Ein paar Songs sind als reines Audiovergnügen eher langweilig, da kann Bobby Womack in „Stylo“ noch so leidenschaftlich knödeln. Bruce Willis spielt halt nur im Video mit. Die zweite Hälfte des Albums macht entschieden mehr Spaß: Crispe leise Beats, Elektroides im Legowelt-Style, Mark E. Smith (The Fall) als ungewohnt wortkarger Stichwortgeber eingeschnürt in ein Korsett aus stolpernden Rhythmen und knarzigen Synthies, Lou Reed mit top notch Beats, Albarn selbstverloren drüben „On Melancholy Hill“ oder tricky Gescratche für einen gut aufgelegten Mos Def.

Die Band, die es nicht gibt, ist eine der erfolgreichsten überhaupt – und wird es auch bleiben. For shizzle.

(erscheint am 5. 3. via Parlophone/EMI)

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