Ein Schnelldurchlauf

Im Februar läuft die Veröffentlichungsmaschinerie nach der Winterpause wieder voll an: Der vergangene Freitag bescherte uns so viele neue Releases, dass ich nicht alle einzeln besprechen kann. Deswegen fasse ich einfach mal ein paar in einem Post zusammen.

Die großen Namen zuerst: Blur und die Pet Shop Boys setzen auf Bewegtbild. „No Distance Left To Run“ (Parlophone/EMI) ist ein Doppel-DVD-Set mit einer Doku zu den Reunion-Konzerten und einem zweistündigen Mitschnitt des Konzerts im Hyde Park im Sommer 2009. „She’s So High“, „There’s No Other Way“, „Girls & Boys“, „Parklife“ oder „Song 2“ – Damon & Co. spielen all die alten Hits. Auch wenn die Pet Shop Boys immer noch kontinuierlich ein Album nach dem anderen raushauen und deswegen eigentlich genug neue Songs in petto haben. In der Londoner O2-Arena griffen sie Ende 2009 dann doch wieder auf „Go West“, „New York City Boy“, „Suburbia“, „It’s A Sin“, „Being Boring“ oder „West End Girls“ zurück: „Pandemonium“ (Parlophone/EMI) kommt als DVD plus CD.

So ein bisschen besinnlich startet „Mavis“ (!K7/Alive). Mavis ist das Projekt von Ashley Beedle und Darren Morris. Es heißt so, weil die beiden Mavis Staples total verfallen sind und unter dem Einfluss der Musik der Soul-Sängerin anfingen, eigene Ideen auszuarbeiten. Das so entstandene Instrumental schickten sie u. a. Kurt Wagner (Lambchop), Ed Harcourt, Cerys Matthews. Von deren Gesang ließen sich Beedle & Morris inspirieren und bauten um die Gesangspuren neue Songs. So kam nach und nach ein Album zu Stande, das einen extrem entspannten Soul-Vibe transportiert.

Field Music (Measure)“ (Memphis Industries-PIAS/RTD) von Field Music zitiert Fleetwood Mac, Roxy Music und andere Rock-Größen aus den 60ern und 70ern. In meiner Jugend hätte ich für dieses Album wahrscheinlich nur Verachtung übrig gehabt. Viel zu sauber, zu elaboriert. Dass mir das heute gefällt, liegt wohl daran, dass ich nicht mehr zwischen cool und uncool unterscheide. Selbst wenn die Brewis-Brüder sich zwischendurch mal vergaloppieren, oft finden sie himmlische Harmonien, angemessen zickige Post-Rock-Bandwürmer und spröden Wave-Funk.

Lightspeed Champion ‚Life Is Sweet! Nice To Meet You‘ by DominoRecordCo

Life Is Sweet! Nice To Meet You“ (Domino/Indigo) von Lightspeed Champion kannst Du Dir im schicken Soundcloud-Player anhören. Kein Dance-Punk wie früher bei seinen Test Icicles, nein, solo probiert Herr Hynes einfach mal alles aus: Folk und Kammer-Pop, Ukulele und bedeutungsschwangere Gitarrenakkorde. Gar nicht so weit davon entfernt ist übrigens Florian Horwaths „Speak To Me Now“ (Stereo Deluxe/Edel). Im direkten Vergleich, also wenn man die beiden Alben nacheinander hört, wirkt Horwath aber blasser und glatter.

Und dann das: Peter Gabriel. Ein alter Mann wird kurz vor der Rente sentimental und erinnert sich an bessere Tage, bereitet Lieblingshits als Orchesterschmonz auf. Halt, stopp! Stimmt gar nicht: Peter Gabriel verließ Genesis zum richtigen Zeitpunkt und beweist auch hier Geschmack. Er nimmt sich Songs von David Bowie, Radiohead, Arcade Fire, Elbow, Bon Iver und anderen Musikern vor, die teilweise nicht mal halb so alt sind wie er. Pünktlich zu seinem 60. Geburtstag überrascht er auf „Scratch My Back“ (Real World/EMI) mit einfühlsamen Coverversionen.

I Am Kloot fand ich zu „Natural History„-Zeiten echt toll. 2001 traten sie zusammen mit Elbow auf und der kleine Johnny Bramwell war großartig. In den letzten Jahren habe ich nicht mehr so aufmerksam verfolgt, was die Briten treiben. Die Doppel-CD „B“ (Skinny Dog-PIAS/RTD) hält aber eine Menge B-Seiten, Raritäten und bisher unveröffentlichte Tracks bereit, deren Songwriting sofort gefällt.

intermedium records hat sich auf Hörspiele und Medienkunst spezialisiert. Die Veröffentlichungen sind oft spannend anzuhören, manchmal aber einfach nur anstrengend. „One From In The Room“ steht irgendwo dazwischen: Der koreanische Künstler Sung Hwan Kim erzählt aus seinem Leben und seinen Träumen, da er aber weiß, dass das alleine schnell langweilen kann, ließ er den Musiker dogr (David Michael DiGregorio) Musik, Geräusche und Effekte über Stimme und Gesänge legen.