Blockhead – The Music Scene

Achtung 90er-Jahre-Slang: HipHop-Headz, die noch den real shit hören, kennen Anthony Simon aka Blockhead als Produzent von u. a. Aesop Rock. Ich bin vor einiger Zeit auf ihn gestoßen, da er ein Buddy von Baby Dayliner ist, dessen grandioses Album „Critics Pass Away“ mein Mate Alvaro und ich 2006 in GSA veröffentlicht haben.

Jetzt kommt der bei Wikipedia als Ableton-Live-User eingetragene New Yorker mit einem Instrumental-Album eingeschwebt, das in verschiedenen Settings funktioniert: Man kann „The Music Scene“ problemlos im Hintergrund durchlaufen lassen. Dann verbreitet es eine angenehme edgy Atmosphäre, ohne zu dominant zu sein. Jedoch sind die zwölf Tracks auch komplex genug, um als Alleinunterhalter zu dienen. Denn wenn man sich tatsächlich auf die Musik konzentriert, entdeckt man vor und hinter dem Gerüst aus soliden HipHop-Beats schnell mehr Ebenen, als man bei einem Durchlauf verarbeiten kann: Sprach-Samples, eine gedämpfte Jazz-Trompete, Piano-Loops, rockige Gitarren, Space-Synthesizer oder afrikanische Chants. Gleich der Opener verwandelt sich gegen Ende in einen Mid-90’s Intelligent Drum ’n‘ Bass-Track.

Überhaupt hört sich das Album an, als würde permanent jemand die Sendersuche an einem Radio weiterdrehen. Allerdings nicht einfach das Frequenzband hoch und runter, sondern quer durch verschiedene Jahrzehnte und schön verteilt über diverse Kontinente. HipHop steht schon irgendwie immer im Zentrum des Geschehens, aber die Peripherie verändert sich ständig. Ninja Tune haben hier einen Album-Megamix online gestellt.

(erscheint am 15. 1. auf Ninja Tune/Rough Trade)