My Most Played Song Vol. 3

Heute mit: Dan Delgado, Musiker aus Stuttgart.

DanDelgado

?: Welches ist der am häufigsten gespielte Song auf Deinem Rechner?

Dan: „Belief“ von John Mayer.

?: Wie oft hast Du den Song gehört?

Dan: Mein iTunes sagt 81 Mal.

?: Warum hast Du ausgerechnet diesen Track so oft gehört?

Dan: Hm… Das erinnert mich an „Lola rennt“ – als Lola Manni fragt: „Warum liebst Du mich?“… Er ist natürlich ein wenig trivial und tantig-altbacken, so könnte er durchaus im Soundtrack zu „Lethal Weapon 2“ oder auf einem Dire-Straits-Album zu finden sein, obwohl er aus dem Jahre 2006 stammt. Aber ich bin ja ein ausgewiesener Popper. Und wahrscheinlich ist es genau das: Er versetzt mich in eine gewisse Stimmung, und wenn im dritten Takt die Gitarre reinfährt, erfasst er mich sofort und entspannt mich gleichzeitig. Egal, wann ich ihn höre. Ob nach einem langen Studiotag, nach dem Aufstehen oder vor einem Ausritt in die Stadt. Mayers vielschichtige, multi-getrackte Gitarrenarbeit ist einfach fantastisch. Man merkt, dass er den Song selbst produziert und eingespielt hat. Hier gehen Songwriting, Performing und Producing Hand in Hand. Letztlich will ich das aber nicht bis ins kleinste Detail sezieren. „Belief“ gefällt mir einfach tierisch und ich kann den Song immer hören!

?: Hat Dich der Song schon mal in einer besonderen Situation begleitet?

Dan: Nein, dieser nicht. Wahrscheinlich höre ich ihn deswegen so oft, weil er eben nicht emotional besetzt ist und immer schmeckt. Wie ein Nutella-Toast.

?: Du bist ein großer Romantiker, richtig?

Dan: Durchaus. Ich bin der Superlativ eines Romantikers.

?: Andererseits: Wenn man sich mit Dir über Musik unterhält, gehst Du oft sehr analytisch vor.

Dan: Das sehe ich anders. Es strengt mich ungemein an, zu eruieren, warum ich etwas mag oder nicht. Das ist ja auch eigentlich unmöglich und verdirbt den Genuss. Wie bei der Liebe, siehe „Lola rennt“. Aber ich bin eben Musiker und kann diese analytische Ebene einnehmen, wenn ich dazu angehalten werde. Ich weiß, wie welcher Sound und welche Stimmung erzeugt werden können. Das ist meine Profession. Ich versuche der Musik aber stets mit einem emotionalen Ansatz zu begegnen – als Konsument wie Produzent. Das entspricht ja auch mehr meinem Wesen…

?: Und so entstehen auch Deine eigenen Songs?

Dan: Genau, es gibt eine Emotion, und die wälzt sich im Laufe einer Produktion sukzessive musikalisch wie textlich um. Da lasse ich mich total treiben. Macht ja auch am meisten Spaß. Bei den Dan-Delgado-Sachen habe ich zusätzlich den Sound-Rahmen limitiert, zugelassen sind nur meine Gitarre „Petra“, die Stimme und ein Shaker. So bleibt dieses Treiben zwar instrumental begrenzt, aber die Fantasie kann sich dafür umso freier entfalten. Auch bei Auftragsarbeiten, die ein bestimmtes Klangbild reflektieren sollen, versuche ich erstmal einen emotionalen Zugang zu finden und eine bestimmte Perspektive einzunehmen, bevor ich loslege. Das erleichtert die Arbeit ungemein, Stanislawski-esk sozusagen. (lacht)

Albumversion hier, Video da:

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